Hamburger Wohnungsbaugenossenschaften: Rekord-Investitionen für 2017 geplant

28.06.2017

Rund 679 Millionen Euro für Neubau und Instandhaltung von Wohnungen in der Hansestadt Mieten deutlich unter Hamburger Durchschnitt – Genossenschaften sind keine „closed shops“

Hamburg, 28. Juni 2017 Mit rund 679 Millionen Euro planen die Hamburger Wohnungsbaugenossenschaften im laufenden Jahr so viel Geld wie nie zuvor in den Wohnungsbau zu investieren. Davon sollen 376 Millionen Euro für den Neubau von Wohnungen und 303 Millionen Euro für die Modernisierung sowie Instandhaltung der Bestandsimmobilien aufgewendet werden. Zum Vergleich: Im Jahr 2016 betrug die Gesamtinvestitionssumme über 490 Millionen Euro.

Diese Zahlen gab der Arbeitskreis Hamburger Wohnungsbaugenossenschaften e.V. auf seiner heutigen Pressekonferenz in Hamburg bekannt. Monika Böhm, Vorstands- vorsitzende des Arbeitskreises: „Die Daten zeigen, dass Hamburger Wohnungsbau- genossenschaften ihre Position als bedeutender und verantwortungsbewusster Ak- teur in der Immobilienwirtschaft weiter ausbauen konnte. Diesen Weg werden wir auch in Zukunft weiter gehen.“ Die im Arbeitskreis organisierten 30 Wohnungsbauge- nossenschaften zählen derzeit knapp 220.000 Mitglieder und haben fast 132.000 Wohnungen in allen sieben Bezirken der Hansestadt sowie in einigen Randgemein- den im Bestand. Das entspricht rund 20 Prozent aller Hamburger Mietwohnungen.

Wichtiger Beitrag für bezahlbaren Wohnraum

Im vergangenen Jahr wurde mit dem Bau von 885 neuen Genossenschaftswohnun- gen begonnen, 797 Wohnungen wurden fertiggestellt. In diesem Jahr nehmen die Genossenschaften die Bautätigkeit für insgesamt 1.920 neue Wohnungen auf. Damit, so die Arbeitskreis-Vorsitzende weiter, leisten die Genossenschaften wiederholt ei- nen wichtigen Beitrag, bezahlbaren Wohnraum in der Hansestadt zur Verfügung zu stellen und auf diese Weise die angespannte Lage auf dem Hamburger Wohnungs- markt ein Stück zu entlasten.

In der Tat lag 2016 die durchschnittliche Miete bei den Hamburger Wohnungsbauge- nossenschaften bei rund 6,37 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche netto-kalt und da- mit 1,65 Euro unterhalb des Durchschnittswertes des Hamburger Mietenspiegels von 8,02 Euro. Monika Böhm: „Damit sind die Genossenschaften sozusagen die Miet- preisbremse in der Hansestadt.

Die Neuvermietungsmiete der Wohnungen (außer Neubauten) lag durchschnittlich bei 7,13 Euro pro Quadratmeter. Sie ist damit wesentlich günstiger als die im Mieten- spiegel und diversen Studien, wo Mieten von 12 bis 19 Euro pro Quadratmeter keine Seltenheit sind. Der Grund für die Differenz: Der Motor allen Handelns der Woh- nungsbaugenossenschaften ist die Mitgliederförderung, das heißt in dem Fall: be- zahlbarer Wohnraum für die Mitglieder.

Zudem basieren die Daten vieler Studien auf den Mietangaben in Inseraten in Zeitun- gen und Internetportalen. Da die Genossenschaften nur in Ausnahmefällen inserie- ren, werden deren Wohnungen und damit auch deren vergleichsweise geringen Mie- ten nicht einkalkuliert.

Vermehrte Bauauflagen der Behörden

Allerdings: Bei Neubauten lag die durchschnittliche Miete für genossenschaftliche Wohnungen in den vergangenen sieben Jahren bei etwa 10 Euro pro Quadratmeter. Dieses Niveau dürfte sich aber in absehbarer Zukunft ändern. Monika Böhm nennt drei Gründe: „Der drastische Anstieg der Baukosten, die immer höheren Grund- stückspreise und die vermehrten Bauauflagen der Behörden werden dazu führen, dass dieses Miet-Level kaum zu halten sein wird.“

Der kontinuierliche Rückgang der Anzahl an Sozialwohnungen in Hamburg ist indes für die Mitglieder der Hamburger Wohnungsbaugenossenschaften kein Problem. Denn die Genossenschaften erhöhen die Mieten bei Wohnungen, die aus der Förde- rung auslaufen, nur unwesentlich. So liegt die Durchschnittsmiete der nicht gebunde- nen Wohnungen bei 6,47 Euro pro Quadratmeter also auf dem Niveau wie die Mie- te im ersten Förderweg bei der öffentlichen Förderung.

60 Prozent der Neuvermietungen an neue Mitglieder

Neben den aktuellen Zahlen zu Investitionen und Mieten nannte der Arbeitskreis auch Daten zur Mieter-Fluktuation in den genossenschaftlichen Wohnungen. Die jüngste Er- hebung der Hamburger Wohnungsbaugenossenschaften zeigt, dass durchschnittlich mehr als 60 Prozent der Neuvermietungen von Genossenschaftswohnungen an den Markt und damit an neue Mitglieder gehen. Monika Böhm: „Den Wohnungsbaugenos- senschaften ist in der Vergangenheit wiederholt vorgeworfen worden, dass sie keine oder nur sehr wenige neue Mitglieder aufnähmen. Das widerlegen unsere Zahlen nachdrück- lich. Die Hamburger Wohnungsbaugenossenschaften sind keine closed shops.

Neben dem Neubau und der Modernisierung von Wohnungen nehmen die Wohnungs- baugenossenschaften in vielfältiger Weise auch soziale Verantwortung in der Hansestadt wahr. Dazu zählt in erster Linie die kontinuierliche Pflege und Weiterentwicklung der Quartiere, um den Bewohnern ein Umfeld mit besonders hoher Lebensqualität zu bieten. Überdies unterhalten die Genossenschaften des Arbeitskreises neben zwölf Stiftungen und Vereinen sehr viele Nachbarschaftstreffs, die unterschiedlichste soziale und integra- tive Projekte in Hamburg unterstützen und das Miteinander im Quartier fördern.